Wie sagt man Wohlgeruch?
„Hier blieb er stehen, sammelte sich und roch. Er hatte ihn. Er hielt ihn fest. Wie ein Band kam der Geruch die Rue de Seine herabgezogen, unverwechselbar, deutlich, dennoch weiterhin zart und sehr fein. Grenouille spürte, wie sein Herz pochte, und er wusste, dass es nicht die Anstrengung des Laufens war, die es pochen machte, sondern seine erregte Hilflosigkeit vor der Gegenwart des Geruches. Er versuchte, sich an irgendetwas vergleichbares zu erinnern und musste alle Vergleiche verwerfen. Dieser Geruch hatte Frische: aber nicht die Frische von Limetten oder Pomeranzen, nicht die Frische von Myrrhe oder Zimtblatt oder Krauseminze oder Birken oder Kampfer oder Kiefernnadeln, nicht von Mairegen oder Frostwind oder von Quellwasser..., und er hatte zugleich Wärme; aber nicht wie Bergamotte, Zypresse oder Moschus, ...”
(Auszug aus „Das Parfüm“ von Patrik Süskind)
Wie Sie feststellen, fällt es uns schwer – es fehlen uns sogar die Vokabeln - einen Duft zu beschreiben. Und damit wir trotzdem reden können, um einen Duft nach Ihren Vorstellungen zu kreieren, bedienen wir uns z.B. der Farben.
Da Düfte auch farbassoziierende Wirkungen haben, steht uns hier eine große Vielfalt von „Beschreibungen” zur Verfügung.
Was ist Duft?
Auf Schritt und Tritt begegnen uns Gerüche und Düfte. Unsere Nase ist fortlaufend mit Ihnen beschäftigt. Düfte und Gerüche sind eigentlich chemische Stoffe und bestehen aus unsichtbaren Molekülen; die Luft wäre voll von Ihnen, könnten wir sie sehen. Entsprechend der vorhandenen Moleküle können wir sie riechen oder eben nicht.
Wie werden Duftmoleküle wahrgenommen?
Zunächst muß ein Duftstoff als Reizquelle vorhanden sein. Durch Diffusion werden die Moleküle, aus denen Duftstoff besteht, im Raum verteilt.
Auf diesem Wege gelangen sie in unsere Nase. Diese ist mit Empfängern für den Duftstoff ausgestattet – den sogenannten Rezeptoren, welche sich auf den Geruchssinneszellen befinden. Diese Rezeptoren sind so gebaut, dass das entsprechende Geruchsmolekül exakt zum Rezeptor passt, so wie ein Schlüssel in sein Schloss passt (und nur in sein Schloss). Wenn sich nun ein Molekül an diesen Rezeptor bindet, wird ein Nervensignal ausgelöst, welches zum Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet wird, sei es, dass wir dann einen positiven Duft wahrnemen oder dass wir dem Geruch entsprechend reagieren (Nase rümpfen oder z.B. Lust auf Essen bekommen).
Das Riechorgan muß dabei nicht immer die Nase sein; denn es genügt eigentlich schon das Vorhandensein einer einzigen Geruchssinneszelle mit entsprechendem Rezeptor, um Duftstoffe zu erkennen.
Die Anzahl der Gerüche, die wir wahrnehmen können, hängt von der Anzahl der verschiedenen Geruchssinneszellen bzw. ihrer Rezeptoren ab. Davon hat der Mensch etwa 350 verschiedene.
[Interessanter Link: »Wie Zellen Düfte erkennen Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt]
Die Macht des Riechens
Es ist erstaunlich, dass unser Geruchssinn oft unterbewußt arbeitet, d.h. es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden das Duftstoffe im Gehirn Reaktionen auslösen, obwohl die Versuchsperson den entsprechenden Duft gar nicht wahrgenommen hat. Das Gehirn wählt offensichtlich unter verschiedenen Möglichkeiten der Reaktion auf einen Geruch aus.
Gerüche müssen demnach eine wichtige Rolle übernehmen, wenn die Natur so viel Aufwand treibt, Gerüche zu erkennen und richtig auf sie zu reagieren. In der Tat gibt es unzählige Vorgänge, die durch chemische Reize ausgelöst werden. So werden Emotionen ausgelöst, Erinnerungen geweckt, bereits erlebtes nachempfunden oder Begehrlichkeiten geweckt. Aber auch zwischenmenschliche Sympathie entscheidet sich oft über den Geruch.
Wer kennt nicht das geflügelte Wort „ jemanden nicht riechen können”?
Duft und seine Wirkungsweise
Eine Vielzahl von empirischen Studien mit unterschiedlichsten Ansätzen belegen die unmittelbare Wirkweise von Düften auf die psychografischen Befindlichkeiten des Menschen. Die Faszination, die von diesen Wirkweisen ausgeht, liegt wesentlich darin begründet, dass sie ohne die, bei allen anderen Sinnen ausgeprägte, selektive Filterung des Rezipienten wirken!
Im Grunde gibt es dabei drei übergeordnete Wirkungsweisen:
- a. die stimulierende Wirkung;
darunter sind zu subsummieren: mental aufhellende, Lebensfreude erzeugende, aktivierende, Begehrlichkeiten weckende Wirkungen - b. die beruhigende Wirkung,
die eine Spannbreite umfasst von sedativer Wirkung über aggressionsabbauender Wirkung bis hin zu einer Wirkungsweise, die ein In-Sich-Hineinhören fördert und zu Kontemplationen anregt. - c. konzentrationsfördernde Wirkung
Duftaufbau
Die Düfte setzen sich grundsätzlich aus drei Komponenten zusammen.
Diese weisen unterschiedliche Flüchtigkeitsgrade auf. Jeder Duft besitzt eine Kopfnote, in der hochflüchtige Duftkomponenten enthalten sind, eine Körpernote mit weniger flüchtigen Bestandteilen und eine Basisnote, die meist die Duftkreation abrundet und relativ „träge” Elemente beinhaltet.
Die Kunst liegt unter anderem darin, diese komplexe Natur eines Duftes über den gesamten Beduftungszeitraum zu erhalten.
Die jeweils richtige Technologie für die unterschiedlichen Aufgabenstellungen ist entscheidend
Die Kunst wirksamer, systematischer Raumbeduftung kennt eine ganze Reihe zu beachtender Facetten: Einsatzziel und Duft bzw. Duftkomposition müssen in Einklang gebracht werden. Bei der enormen Vielfalt unterschiedlichster Düfte gehört dazu eine gehörige Portion Erfahrung.
Jahreszeitliche Gegebenheiten und die farbliche Tonalität der zu beduftenden Umgebung müssen sorgfältig abgestimmt werden (Düfte sind nach farblicher Tonalität zuordbar – Dissonanzen sollten vermieden werden).
Die Diffundierung von Duftstoffen braucht Systeme, die eine gleichmäßige, die Komplexität des Duftes bewahrende Beduftung realisieren können.
Die Beduftungsintensität ist ein wesentlicher Wirkfaktor.